Be Brave – Die Selbsthilfegruppe für männliche Protagonisten (Teil #2)


Be Brave

Frauen(?)probleme

Irgendwo im Nirgendwo stehen Klappstühle in einer abgewrackten Turnhalle. Eine Gruppe von Männern hat es sich darauf mehr oder weniger gemütlich gemacht.

»Schon wieder?«, wundert sich der eine mit dem Pferdeschwanz seufzend und rekelt sich gelangweilt auf dem viel zu kleinen Stuhl. »Sind wir schon wieder hier?«

»Mes amis, ich glaube, die Frau Autorin macht sich einen Spaß daraus, uns zu quälen«, stimmt ihm sein Stuhlnachbar zu. Dem Ritter scheint die Situation unangenehm, er nestelt an seinem Kettenhemd rum.

»Oh ja, ich erinnere mich«, grinst der Langhaarige. »Unser Herr Ritter hatte ja wenig Freude an unserem nächsten Thema.«

»Ich würde es vorziehen, nicht darüber zu sprechen.«

»Ach, die Liebe! Welch grandioses Thema!«, frohlockt der blauhaarige Seegeist vom anderen Ende des Kreises. Doch sogleich schwingt ein verärgerter Grundton in seiner Stimme mit: »Warum aber … Warum! … Ist … Dieser …. Wolf … hier!!!«

Seine ausgestreckte Hand deutet anklagend auf den Stuhl neben sich. Ähnlich ungewöhnlich gekleidet wie er sitzt dort ein schweigsamer Weißhaariger, der gerade mit gekreuzten Armen über der Brust zu schlafen scheint. Erst jetzt, da der Seegeist zu einer Schimpftirade ansetzt, öffnen sich seine eisgrauen Augen. Er knurrt: »Ich bin Shiro, Hauptfigur aus Das Schweigen des Schnees. Die Leserschaft hat mich in diesen Kreis gewählt.«

»Infame Lüge!«, empört sich der Seegeist. »Das Los hat entschieden! Das Los! Ich bin der Sieger der Herzen. Nicht wahr, meine unschuldigen Blümchen?«

»Du aufgedunsene Schildkröte«, schimpft Shiro. »Benimm dich gefälligst, oder …«

»Ja, was denn, Wölfchen? Willst du mich auffressen?«

»Mes amis!«, versucht der Ritter erfolglos zu beruhigen. Der Große mit dem Pferdeschwanz lacht nur schallend auf.

»Wir sollten uns zurück auf das Thema der Sitzung besinnen«, schlägt einer der drei Jüngeren vor, die bisher ruhig auf ihren Stühlen geblieben sind. Es ist der braunhaarige Unscheinbare mit dem prunkvollen Schwert.

»Ach ja … die Liebe!«

»Unsinn, Schildkröte. Das Thema heißt ´Frauenprobleme´.«

»Probleme? Welch unschickes Wort. Frauen machen keine Probleme.«

»Aber du«, giftet Shiro, »hast eindeutig Probleme mit Frauen.«

»Tzz! Du bist nur neidisch, Fellknäuel, dass ich mit Asa-chan eine soooo tiefe Beziehung eingegangen bin.«

»Ich werd dir gleich …«

»Me…« Bevor der Ritter abermals eingreifen kann, geht ein lauter Knall durch die Turnhalle und von der Decke schießt ein Blitz direkt zwischen die Gruppe der Männer. Erschrocken weichen einige zurück. Der Braunhaarige zieht seine Waffe und ein leichtes, silbernes Schimmern erfüllt den Raum, ehe er sein Schwert hastig wieder zurücksteckt. »Ein Zettel?«, wundert er sich und hebt ein Blatt Papier vom Hallenboden auf, wo zuvor der Blitz einschlug.

»Die Autorin hat wohl wenig Freude daran, was wir hier gerade veranstalten«, vermutet der Große.

»Jeder hat nur noch einen Satz«, liest Eldradjan vor. »Vervollständigt diesen Satz: Mein Problem mit der Frau meines Herzens ist …«

»… sie glaubt, ich sei ein Kind?«, zuckt der Kleinste unter ihnen unschuldig mit den Schultern. Die anderen verdrehen die Augen.

Der letzte im Bunde antwortet nicht, zieht seine Kapuze nur tiefer ins Gesicht.

»Gut. Also ich«, übernimmt der Große. »Mein Problem ist … dass wir nicht in derselben Welt leben und sie ein überängstliches, schüchternes Mädchen ist. Herr Ritter? Ihr seid dran …«

»Ich passe.«

»So geht das aber nicht.«

»Ich passe. Der Schwarze hat auch nichts gesagt, also passe ich ebenso.«

»Ich …«, beginnt Eldradjan. »… muss sie ständig retten, weil sie sich immer unbedacht in Gefahr begibt.«

»Das kenne ich, mein Freund«, nickt Shiro verständnisvoll.

Der Seegeist rümpft die Nase. »Ich habe kein Problem. Kein Problem mit Frauen. Der da! … Der da ist mein Problem!«

»Du elende, kleine Fischgräte!«

»Du Schoßhündchen!«

»Algenkopf!«

»Fellhaufen!«

Irgendwo im Nirgendwo in einer abgewrackten Turnhalle befindet sich ein kleiner Nebenraum. Auf Stühlen, Tischen und Bänken warten schweigend Protagonisten.

»Was da drin wohl gerade vor sich geht?«, wundert sich einer, der dem Ritter nicht unähnlich sieht.

Ein junger Schwarzhaariger wirft misstrauisch ein: »Nichts Gutes. Eldradjan hat kurz sein Schwert gezogen. Habt ihr das Licht gesehen?«

»Die Herren Hauptfiguren machen ziemlichen Lärm.«

»Hey du, Samurai?«, rufen einige auf, als sich einer aus ihren Reihen schält und auf die kleine, metallene Tür zugeht. »Da darfst du nicht rein.«

Lächelnd wendet sich der Angesprochene um. Und greift nach der Türklinke. »Ich glaube, es wird Zeit für mich.«

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